STADTMUSEUM AICHACH

Haselberger Konserven


Haselberger Konserven.jpgAuch im Aichacher Stadtmuseum sind einige der Konserven der Haselberger’schen Fabrik ausgestellt. Zu sehen sind hier eine Versandschachtel, eine Großkonserve und ein Werbeprospekt aus dem Jahr 1933. Die Qualität der hergestellten Konserven wurde ständig erprobt und bestätigt. 1929 wurden bereits im Jahr 1907 hergestellte Fleischkonserven, die zweimal auf Weltreise über den Äquator gegangen waren, für einwandfrei befunden. Immer wieder erhielt die Firma deswegen hohe Auszeichnungen und Ehrenpreise. (Foto: Justina Bayer)

In Zeiten von Corona neigen viele Menschen zu Hamsterkäufen. Getrieben von der Angst, dass die Lieferkette an Nahrungsmitteln zusammenbricht, greifen viele Menschen wieder zur Konservendose. Die Geschichte der Blechbüchse beginnt aber schon vor 225 Jahren mit dem französischen General Napoleon Bonaparte.
Ziel sollte sein, dass seine Soldaten etwas zu essen hatten und das auch möglichst lange. Aus diesem Grund setzte er einen Preis über 12.000 Goldfranc für die Entwicklung eines Verfahrens, bei dem man Nahrungsmittel haltbar machen kann und die Soldaten ohne Plünderungen ernähren konnte. Die Lösung des Problems hatte schließlich der Pariser Konditor und Zuckerbäcker Nicolas Appert, der wenige Jahre später seine erste Konservenfabrik der Welt eröffnete. Ihm kam dabei die Idee, Nahrungsmittel in luftdicht verschlossenen Behältnissen zu erhitzen und dadurch zu konservieren.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Konservendose weltweit zur Standartausrüstung in jedem Haushalt und auch auf der See. Den Matrosen garantierte die Konservendose abwechslungsreiche und vor allem Vitamin-C-reiche Kost.
Während der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts siedelten sich eine Reihe von Handwerkern neu in Aichach an und von dort den Grundstein für ein Unternehmen legten. Ein Beispiel ist hier der damals 31-jährige Metzgermeister Josef Haselberger, der 1880 von Konstein bei Eichstätt nach Aichach übersiedelte. Er eröffnete einen Fleischladen in der Schneidergasse und baute es zu Beginn des neuen Jahrhunderts zu einer Fleischkonservenfabrik aus. Ab 1906 eroberte die Fleisch- und Wurstkonservenfabrik den deutschen Markt, die nicht nur Feinkostgeschäfte und Metzgereien belieferte. Sowohl die Heeresverwaltung und Marine, als auch Schiffsfahrtgesellschaften und Expeditionen nach den Tropen und Polarländern gehörten zu seinen Abnehmern. Die Kapazität der Anlage ermöglichte die wöchentliche Schlachtung und Verarbeitung von 600 Rindern und 800 Schweinen. In den Kühlräumen konnten 10.000 Zentner Fleisch eingelagert werden.
Die Familie Haselberger avancierte in den nächsten Jahren in Aichach zu einer großen bürgerlichen Unternehmersdynastie. Sein Sohn, Robert Haselberger, übernahm einige Jahre später den Betrieb und wirkte von 1929 bis 1933 sogar als Bürgermeister in Aichach. Während der Landesausstellung stellt Winfried Haselberger der Stadt Aichach die ehemalige Verkaufsfläche der Metzgerei zur Verfügung. Die „Stadt-Info“ dient dann als Ausstellungsfläche für historische Gemälde und einigen kleineren Fundstücken zur Stadtgeschichte, sowie als Information zu Aichach in der Geschichte und der Gegenwart.
In Deutschland wurden in den Anfangsjahren vor allem Obst und Gemüse in den Konserven länger haltbar gemacht. Durch die Konservierung verändern sich die Lebensmittel allerdings aber auch, wodurch sie mitunter an Geschmack und Konsistenz im Gegensatz zu frischen Lebensmitteln verlieren. Unter den Bedingungen der Corona-Krise werden die Auswirkungen zurzeit in Kauf genommen. Trotzdem ist und bleibt die Entwicklung der Konservendose ein Meilenstein.

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