STADTMUSEUM AICHACH

Die Holzskulptur des Heiligen Benedikt


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Bevor nun endlich die neue bayerische Landesausstellung beginnt, lohnt sich auch ein kleiner Blick zurück zur letzten Landesausstellung in Regensburg. In den letzten Jahren hat das Stadtmuseum Aichach regelmäßig Museumsobjekte an das Haus der Bayerischen Geschichte für die jeweilige Landesausstellung entliehen. Es lohnt sich demnach auch ein Blick zurück zur letzten Landesausstellung in Regensburg, die das Thema „Hundert Schätze aus tausend Jahren“ behandelte. Nachdem die Ausstellung am 8. März ihr erfolgreiches Ende gefunden hat, gelangen nun die Objekte wieder an ihre Heimatorte. So hat Friedberg seines schon wieder zurückerlangt, wohingegen das Stadtmuseum Aichach noch auf die Skulptur des Heiligen Benedikt, die auf das 12. Jahrhundert datiert wird, wartet. In Anbetracht der Situation kann dies zwar noch etwas dauern, aber dennoch können sich die Besucher irgendwann wieder auf seinen Anblick freuen.
In strenger Frontalansicht sitzt Benedikt in seiner Ordenstracht mit Tunika, Skapulier, einer Art Schulterkleid, und Kapuze auf einer Bank. Seine linke Hand liegt dabei auf einem aufgeschlagenen Buch, während die rechte Hand leider verlorengegangen ist. Man geht aber davon aus, dass er in dieser Hand einen Abtstab gehalten haben könnte. In den Unterlagen des Aichacher Stadtmuseums finden sich Hinweise aus dem Jahr 1912, dass ein Pferdemetzger aus Altomünster diese Holzplastik als „Christus in sitzender Stellung, in der rechten Hand [gemeint ist links] eine Tafel haltend“ dem Aichacher Heimatmuseum verkauft habe. Es ist überliefert, dass lange Zeit diese Figur als romanischer „Christus“ im Zimmer des früheren Bürgermeisters Wernseher gestanden hat, bis sie schließlich als Heiliger Benedikt identifiziert wurde. Aus den Museumsunterlagen geht außerdem hervor, dass die Figur aus dem romanischen Petersbergkirchlein bei Eisenhofen stammen soll. Über ikonographische Vergleiche geht man davon aus, dass die Skulptur in der Zeit zwischen 1150 und 1220 entstanden sein könnte. Die Klosterkirche auf dem Petersberg wurde 1107 durch den Freisinger Bischof geweiht, allerdings wurde die Weihe 1110 nochmals durch den Salzburger Erzbischof vollzogen, da Freisings Bischof Heinrich wegen seiner kaiserfreundlichen Haltung im Investiturstreit vom Papst gebannt worden war.
Als die Herren von Scheyern wenig später ihre neue Burg Wittelsbach bezogen, verließen die Mönche das junge Kloster bereits 1123 wieder, um sich nun endgültig am Platz der vormaligen Burg Scheyern niederzulassen. Das Kloster auf dem Petersberg bestand also nur in etwa 16 Jahre. Der Petersberg selbst blieb jedoch bis etwa 1340 im Besitz des Klosters Scheyern. Es ist zu vermuten, dass die Holzstatue des Heiligen Benedikt ein Relikt aus dieser frühen Scheyern-Wittelsbachischen Klostergründung ist. Gut vorstellbar ist auch, dass die Figur des Ordensgründers Benedikt in einer Nische oder im Refektorium bzw. im Kapitelsaal des Klosters stand, um die Mönche an die Ordensregeln zu erinnern. Benedikt von Nursia hatte im Jahr 529 mit seiner Klostergründung auf dem Monte Cassino die Urform des europäischen Mönchtums vorgegeben. Die wichtigsten Regeln sind auch heute noch weit bekannt: „ora et labora“, also „bete und arbeite“.
Die Skulptur des Heiligen Benedikts zählt genauso wie die Aichacher Löwen zu den ältesten Objekten im Stadtmuseum und darüber hinaus zu einer der ältesten erhaltenen Holzskulpturen Bayerns. Ihre Entstehungszeit fällt in den Zeitraum, als die Wittelsbacher gekonnt durch ihre Klostergründungen die Infrastrukturen errichteten und damit auch ihren Einfluss sicherten.

 Abbildung: Holzbildwerk des Heiligen Benedikt um 1150. (Foto: Philipp Rein)

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